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Glarus vor dem Brande

Im lieblichen Thalkessel zwischen dem Glärnisch, dem Wiggis und dem Schilt, dessen Horizont nach Süden durch den Gand-, Kärpf- und Hausstock eingerahmt, nach Norden aber durch die Vorsprünge des Frohnalpstockes und des Rautiberges bis zu einer schmalen Spalte verengert ist, entwickelte sich Glarus als Hauptort des Kantons, an der Seite der Schwestergemeinde Ennenda bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts nur allmählig und in sehr bescheidener Proportion. Auch die zwei ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts waren nicht dazu angethan, die äussere und innere Entwicklung des Gemeinwesens zu fördern. Die vielen europäischen Kriege, verheerende Krankheiten, Hungersnoth und die Nachwehen der am Schlusse des vorigen Jahrhunderts erlittenen eigenen Kriegsunbilden drückten noch zu schwer auf die Gemeinde und die Bürger. Mit Beginn des dritten Jahrzehntes aber datirt für die Gemeinde Glarus eine neue Aera der Entwicklung. Die schon seit dem letzten Jahrhundert vorhandenen kleinen Anfänge von Handel, Industrie und Gewerbsthätigkeit fingen an sich immer mehr und mehr auszudehnen und zu vervielfältigen. Dadurch kam Wohlstand unter die Arbeitgeber, reichlicher Verdienst unter die Arbeiter und mit diesem Zuwachs der Bevölkerung, erhöhter Werth des Grundeigenthums und des Holzes. Diese Entfaltung von Handel, Industrie und Gewerben ging ununterbrochen fort bis zum Brande. Ja selbst die schwierigen Jahre von 1845 bis 1850, wo durch mehrere Missernten und durch die politischen Erschütterungen vom grössern Theile von Europa und damit verbundenen Handelskrisen über die ganze Erde, fast alle Völker schwer betroffen wurden, vermochten unsere Industrie und Handel nicht ernstlich zu gefährden. In kurzer Zeit hatte sich Glarus wieder erholt und der auf diese Krise folgende Krimkrieg (1854 bis 1856) gab der Fabrikation einen noch nie gesehenen Schwung. Neue Etablissemente mit neuen Industriezweigen entstunden, die alten vergrösserten sich und der reichliche Verdienst beendigte nicht nur den in den 40ger Jahren entstandenen Hang zum Auswandern, sondern lockte immer mehr Niedergelassene aus andern Gemeinden des Kantons, aus der Schweiz und dem Auslande herbei. In dieser Zeit entstunden namentlich auch die ersten Anfänge von Seidenindustrie, während sich vorher unsere Fabriken ausschliesslich mit der Anfertigung von Baumwollstoffen beschäftigten. Es wurde eine grosse Seidenzwirnerei und eine bedeutende Seidenweberei gegründet, die vorzüglich dem weiblichen Geschlechte Arbeit verschafften. Wenn auch die letzte Zeit der 50ger Jahre nicht mehr so blühend für den Verkehr sich darstellte, so war doch bis zur Zeit des Brandes kein eigentliches Rückschreiten, sondern gegentheils eine stäte Entwicklung vorhanden. Durch diese günstige Gestaltung der Erwerbsverhältnisse und den dadurch bedingten erhöhten Wohlstand der Bevölkerung kam auch in das Gemeinwesen ganz neues, frisches Leben. Dasselbe entfaltete nach allen Richtungen eine früher nie gekannte Thätigkeit. Neue grossartige Schöpfungen wurden durch die Opferwilligkeit der Gemeinde und der Bürger geschaffen, der Besitzstand vergrössert, die Verwaltung mehr und mehr geregelt und die Nutzbarmachung des Tagwenseigenthums, namentlich der Waldungen, in rationeller Weise angestrebt. Es darf mit Recht behauptet werden, dass in den letzten 30 Jahren (1830 bis 1860) mehr geschaffen und geleistet wurde, als früher in drei Jahrhunderten. Um dieses Bild der raschen Entwicklung der Gemeinde Glarus möglichst anschaulich zu machen, wollen wir nun nach den, den Protokollen enthobenen Thatsachen, das äussere und innere Wachsen der Gemeinde und die einzelnen Leistungen derselben in diesem Zeitraume näher skizziren.

1. Ausdehnung von Glarus

Im Jahr 1714 hatte Glarus erst 188 Häuser mit eigenem Eingang. Dieselben bildeten die Hauptstrasse vom Zollhaus bis zur Abläsch, sodann die Quartiere Langenacker, Eichen, Oberdorf und Sand sammt Tigel. Nebst diesen befanden sich noch einzelne wenige Häuser beim Bach, auf der Presse, auf der Abläsch und bei der Linthbrücke. Die Quartiere Langenacker, Eichen und Oberdorf waren nur schwach und lückenhaft bebaut. Im Jahr 1800 waren schon 334 Häuser mit eigenem Eingang vorhanden. Zudem, dass die Quartiere Langenacker, Eichen und Oberdorf in der Zwischenzeit mit mehreren Häusern bebaut worden waren, so entstunden ansehnliche Häusergruppen beim Bach und auf der Presse und entwickelte sich die Abläsch zu einem ansehnlichen Quartier, indem die ganze westliche Reihe vom Zauneingang bis neben die sog. Mühle hinaus erstellt wurde. Auch wurde im letzten Jahrzehnt der Anfang mit Bauen auf der Allmeind gemacht. Am Schlusse des 18ten Jahrhunderts war bereits die innere Hälfte der untern westlichen Reihe mit Häusern besetzt. Bis zum Schlusse des Jahres 1860, also unmittelbar vor dem Brand war die Zahl der Häuser in Glarus auf 659 angestiegen. Dieselben enthielten 955 eigene Wohnungen. Zu diesem Zeitabschnitt wurden vorzugsweise folgende Quartiere erbaut. Zuerst der Zaun, d.h. die nördliche Häuserreihe und die westliche bis zur Krone. Von der Krone auswärts wurde der Bauplatz im Jahr 1828 wieder geöffnet und dann successive bis zum Freieck fortgeführt und der Bauplatz in diesem Quartier mit dem Jahr 1837 geschlossen. Auf der Allmeind wurde bis zum Jahr 1819 die westliche Reihe bis zur zweiten Querstrasse, d.h. bis zur äussern Bahnhofstrasse vollendet. Mit dem Jahr 1820 begann der Bau der zweiten Reihe vom Gemeindshausplatz auswärts. Dies bis zur ersten Querstrasse, sowie die zwei Reihen längs der Christiansstrasse (von der ersten Querstrasse bis zur äussern Bahnhofstrasse) wurden bis zum Jahr 1837 vollendet. Im Frühjahr 1838 wurde sodann der Kirchweg als Bauplatz geöffnet und vom Gemeindshause bis zur äussern Bahnhofstrasse eine durch die erste Querstrasse unterbrochene Reihe Häuser erstellt. Da diese Reihe mit dem Jahr 1851 ausgebaut wurde, so bestimmte man unterm 14. März 1852 der äussere Bodenabscnitt als Bauplatz. Es mussten nach einem Plane die zwei Häuserreihen längs dem Kirchweg und der Rosengasse in Angriff genommen werden. Bei diesen zwei Reihen wurde zum ersten Mal nach einem von der Gemeinde genehmigten Plane und Baureglement gebaut. Die Gemeinde hatte zwar schon am 9. März 1823 ein ziemlich stringendes Baugesetz und Reglement angenommen, das aber bei der Ausführung vielfältige Modifikationen erleiden musste. Gerade vor dem Brande, zu Ende 1860, ward dieses Quartier ausgebaut. Durch diesen Ausbau veranlasst, wurde am 24. Februar 1860 das neue Bauquartier hinter dem Gemeindshause gegen die Eisenbahn und am 22. Juli im gleichen Jahr, dasjenige im Saatengute Erlen eröffnet. Für Beide waren vorher eigenen Pläne und Baureglemente ausgestellt und von der Gemeinde genehmigt worden. Das Quartier hinter dem Gemeindshause sollte namentlich für grössere Bauten dienen. Der Platzpreis war daher auch kein fixer, sondern die einzelnen Theile mussten auf öffentlicher Versteigerung begeben werden. Beim Quartier auf Erlen hingegen hatte man mehr Arbeiter-Wohnungen im Auge und der Bodenpreis daselbst per Quadratmeter Ruthe zu Fr. 45 fixirt. Als erste Baute im Bauquartier hinter dem Gemeindshause wurde der Glarnerhof, für den der Platz am 18. März 1860 durch die Gemeinde selbst zu Fr. 200 per Quadratmeter Ruthe abgetreten worden war, in Angriff genommen. Zur Zeit des Brandes waren in diesem Quartier der Glarnerhof und 2 Häuser, auf Erlen hingegen 10 Häuser im Bau begriffen. Während diese Quartiere auf Tagwensboden entstunden, wurden im alten Theil von Glarus in Folge Spekulation und auf Bedürfniss auf Privatboden noch eine ansehnliche Zahl Häuser gebaut. Es waren namentlich die letzten Zwanziger- und ersten Dreissiger-Jahre die auf Privatboden viele Bauten hervorriefen. In dieser Zeit entstund die östliche Reihe auf der äussern Abläsch und die Häuserreihe im Bolen hinter dem Schützenhaus. Auch die Landhäuser auf der Höhe gegen Netstall wurden in jener Zeit gebaut. Aber nicht nur vermehrte sich die Zahl der Häuser in den letzten sechzig Jahren um das Doppelte, sondern auch andere Gebäude, namentlich Fabriketablissements und Oekonomiegebäude entstunden in Menge. Dass bei den Bauten auf Privatboden keine Regelmässigkeit eingehalten wurde und dass sie deshalb oft nicht zur Zierde des Ganzen gereichten, muss wohl kaum gesagt werden. Neben diesen Neubauten fanden aber auch massenweise Umbauten und Erweiterungen alter Häuser statt. Zu Anfang der 30ger Jahre waren noch eine grosse Zahl Häuser von Strickwerk aus Holz vorhanden. Am Schlusse dieser Periode waren sie so zu sagen ganz verschwunden. Diesen Umbauten verdankte selbst die Hauptstrasse ihre schönsten Häuser. Wir erinnern nur an das sog. Zwickihaus, an das Haus von Hrn. Landammann Dr. J. Heer, an das Haus zum Soolerbogen u. a. m.

2. Zunahme der Bevölkerung

Nicht im gleichen Verhältnisse wie die Wohnungen vermehrte sich die Bevölkerung von Glarus. Vor dem Jahr 1837 haben wir keine offiziellen Angaben über die Zahl der Einwohner von Glarus. Erst durch die von der Eidgenossenschaft angeordneten Volkszählungen von 1837, 1850 und 1860 kam Klarheit in Sache. Diese drei Zählungen bieten folgendes Resultat dar: Im Jänner 1837 zählte Glarus: 1) Kantonsbürger: a) männlichen Geschlechts 1,775, b) weiblichen Geschlechts 1,900, zus. 3,765 Personen. 2) Schweizerbürger anderer Kantone: a) männlichen Geschlechts 112, b) weiblichen Geschlechts 90, zus. 202 Personen. 3) Ausländer: a) männlichen Geschlechts 76, b) weiblichen Geschlechts 51, zus. 127 Personen. Total 4,094 Personen. Im März 1850 wohnten in Glarus: 1) Gemeindsbürger 2,971 Seelen; 2) Kantonsbürger anderer Gemeinden 664; 3) Schweizerbürger anderer Kantone 324, und 4) Ausländer 123. Total 4,082 Seelen. Diese schieden sich der Konfession nach aus: a) Katholiken 570, b) Protestanten 3,512. Im Dezember 1860 hatte Glarus Bewohner: 1) männlichen Geschlechts 2,327, 2) weiblichen Geschlechts 2,470. Total 4,797 Seelen. - Davon waren a) Gemeindsbürger 2,909, b) Bürger anderer Gemeinden des Kantons 959, c) Schweizerbürger anderer Kantone 660, d) Ausländer 269. - Der Konfession nach zerfielen sie in a) Protestanten 3,859, b) Katholiken 927, c) Christen anderer Konfessionen 9, d) Israeliten 2. Die Abnahme der Volkszahl zwischen 1837 und 1850, sowie die geringe Zunahme bis 1860 kann nur durch die grossartige Auswanderung nach Nordamerika und anderen überseeischen Ländern während den Jahren 1845 bis 1852 erklärt werden. Aussergewöhnliche Sterblichkeit durch Epidemien war während der ganzen Zeit nicht vorhanden. Das ungleiche Verhältniss in der Zunahme der Wohnungen und der Volkszahl liefert den Beweis, dass seit die Leute wohlhabender wurden, sie auch besser und nicht mehr so eng zusammen wohnten, wie früher. Ziemlich ähnlich wie mit der Bevölkerung verhält es sich mit der Zunahme der nutzungsberechtigten Tagwensrechte. Im Jahr 1820 waren solche in der Gemeinde anwesend 750. Im Jahr 1850 927 und im Jahr 1860 896. Zur Zeit, wo die grösste Zahl von Tagwensrechten vorhanden waren, nämlich im Jahr 1850, waren bereits 44 weitere Tagwenrechte nach Amerika ausgewandert, denen in den nächsten Jahren noch mehrere nachfolgten.

Bürgerhäuser im Alten Glarus

Kurze Zeit vor dem Brand bereiste der damals durch seine politische Ueberzeugung weitbekannte Aarauer Professor Abr. Emanuel Fröhlich das Glarnerland. Mehr als durch seine theologische Wissenschaft und seine Gelehrsamkeit ist er schon damals durch eine grosse Anzahl poetischer Werke an die Oeffentlichkeit getreten; von ihm stammen eine Reihe von Elegien, Fabeln, Liedern, Novellen, Biografien, poetischen "Geschichtserzählungen". In der Schrift " Der Brand in Glarus", die 1862 bei Friedr. Schulthess in Zürich erschienen ist, und vielleicht noch da und dort auch in glarnerischen Häusern vergilbt, hat er die verschiedenen Eindrücke dieser Reise, die Erinnerungen an das Bad Stachelberg, an Glarus und an das Unterland, auf glückliche Weise zu verwerten gewusst und uns damit, und mit der lebendigen Schilderung des Brandes ein wertvolles Dokument der Glarner Kultur um die Mitte des 19. Jahrhunderts hinterlassen. Wir freuen uns z.B. an der Schilderung glarnerischen Lebens um jene Zeit: "Schon die vielen und grossen Fabriken rings um Glarus, welche spinnen und weben, färben und auf gefärbte Tücher immer neue und bunte Zeichnungen drucken: das alles ist sehr sehenswert und Du befindest Dich in dem kleinen Lande inmitten der engen Berge mitten auf dem weiten Markte des Welthandels. Da sind Stoffe, sie werden in den Kaufläden von Smyrna oder Konstantinopel oder Kairo ausgemessen werden, Kleider, mit denen sich der Hindostaner putzen wird, an den Festen seines Brahma, Wischnu und Shiwa, Kopfbinden für die Muhamedaner in aller Welt. Wie solche hier verfertigten Stoffe in alle Länder gehen, so haben auch die sie verkaufenden Handelsreisenden Seltenes und Köstliches aus Nähe und Ferne als Grüsse heimbebracht. Es sind in Glarus, wie ich nun selber gesehen, einige Häuser so reich und geschmackvoll gebaut und eingerichtet mit allem was zum Schmuck und zur Bequemlichkeit gehört, in solcher Fülle ausgerüstet, dass die Wohnung eines Pariser oder Londoner Kaufherren nicht glänzender ausgestattet sein kann. Ich sah da den zierlichsten Hausrath in den neuesten Formen, tischlerarbeiten, die schwerlich am Orte selbst gefertigt worden sind, grosse auch breitere Blenden füllende Spiegel, Vorhänge an Fenstern und Betten, bewundernswerte Stickereien, Teppiche über den ganzen Boden auch grosser Säle hin, wahre Blumengemälde. Ich fand in mehr als einem Hause nicht nur etwa ein Prunkzimmer, sondern alles grossen und kleinen Stuben in der nämlichen Sorgfalt versehen mit Allem, was zur Wohnlichkeit gehört und was darüber hinaus noch die Mode und die Freude an Glanz und Zier erfunden hat. Wieder einer der Herren zeigte mir eine äusserst reiche und werthvolle Sammlung goldener uns silberner Denkmünzen, Ehrenetten, Siegelringe, geschnittene Steine; in einem engen Raume eine fülle der seltensten Kostbarkeiten, gleichsam eine in Gold geprägte Weltgeschichte. Bei einem weitern Freund fand ich eine feine Sammlung selbst vorzüglichster und klassischer Gemählde. Der gelehrte und reiche Kenner hatte schon mehrere Jahrzehnte alles, was er an Gemählden im In- und Ausland ihm Zusagendes gefunden, gekauft, und lebte ganz in dieser seiner schönen Sammlung. Ebensoviel Genuss fand ich bei den Geschichtsforschern. Da sah ich, schon von Urgrossvätern und Ahnen gesammelt, die seltensten Urkunden, Pergamente und Druckschriften, erforscht und verarbeitet. Ich musste ihre Gelehrsamkeit und ihren Fleiss bewundern! Von diesen Männern vernahm ich auch, es sein in Glarus noch viele andere Häuser, in denen mancherlei werthvolle Merkwürdigkeiten, Geräthschaften, Schmucksachen, Becher, Bilder usw., welche von Ahnen herstammen, nie veräussert werden und zur Geschichte der Familie gehören. Es sei auch des Glarners Art, bis zu Fabrikarbeiter hinunter suche ein jeder sein eigenes Haus oder Häuschen zu haben und es so gut als möglich einzurichten; auch der Aermere besitze ein gutes Bett, und in dem reinlich gehaltenen Stübchen manches Arbeiters mangeln sogar feine Vorhänge nicht und selbst ein gepolstertes Ruhebett, wenn schon weder Mann noch Frau noch Kind sich jemals auf dasselbe setze. Wer hätte je daran gedacht, dass hier, wo der Wanderer Fridolin einst die heidnischen Alemannen belehrt, nach Jahrhunderten werde Gewand und Festputz verfertigt werden für die entferntesten Heidenvölker, und dass auf hier gefertigten und gefärbten Tüchern sogar Abzeichen der Götzen der Hindus gedruckt werden oder Sprüche aus dem Koran oder Arabesken, wie sie der Muhamedaner liebt!" Deutlich lässt sich spüren, dass Fröhlich zwischen "Volk" und "Herren" unterscheidet: "Ich ging so unter Schaaren des Volkes die Gassen und freute mich der allgemeine Fröhlichkeit. Ich sah ringsum ein aufgewecktes, munteres Volk, mitunter schöne Männer, Frauen und Töchter. Die Männer schienen sich zu fühlen (!), selbstherrlich und ihre eigenen Gesetzgeber zu sein. Auch die Herren von Glarus spazierten, ihre Frauen im Arm, im Sonnenschein des Landsgemeindetages. Da zeigte sich grosser Reichtum, die neueste Mode, der feinste Stoff, reicher Schmuck, gegen den der Flitter der im Putz wetteifernden Fabrikarbeiterinnen weit zurückstehen musste. (was angesichts der damaligen Lohnverhältnisse wohl niemandem auffallen konnte!) Doch störte das die Lustigkeit dieser muntern Töchter, welche mit ihren Freunden zusammensassen, nicht im geringsten. Ebenso machten die Herren mit ihren Begleiterinnen meist in glänzenden Wagen Spazierfahrten, die einen Thalauf, die andern ins Land hinunter. Viel Volk eilte gegen 3 Uhr nachmittags der Eisenbahn zu, um noch eine Fahrt nach Wesen oder weiter hinunter zu machen. Am Abend ging ich noch durch die Strassen. Sie waren wenig mehr belebt, die Landsleute alle heimgezogen, die Einwohner, die spazieren gegangen oder ausgefahren, waren wieder zurückgekehrt. In den Wohnungen allen brannten Lichter; aus den offenen Fenster der heller erleuchteten Stuben, besonders aus den Sälen der Gasthöfe und Gesellschaftshäuser tönte noch lustiger Gesang und die Freude des Tages. Die Nacht war still und lau, aber ich hörte ein stärkeres Tosen durchs Tal. Es wird das Rauschen der Wasser sein." Eine Stunde, nachdem Fröhlich diesem Rauschen zugehört hat, scholl der ruf der Feuerhörner durch die Gassen, und das schwere Dröhnen der Kirchenglocken begann den Untergang des alten Fleckens Glarus einzuläuten.